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EinsatzSicherheit Aktualisiert: 16. September 2026

Gruppenführer bei der Feuerwehr

Was ist ein Gruppenführer bei der Feuerwehr?

Ein Gruppenführer ist eine Führungskraft der Feuerwehr, die eine Gruppe, Staffel oder einen selbstständigen Trupp als taktische Einheit führt. Er erkundet die Lage, trifft taktische Entscheidungen innerhalb seines Auftrags, erteilt Befehle, überwacht die Sicherheit und meldet an übergeordnete Führungskräfte zurück. Bei Einsätzen bis zur Gruppenstärke kann ein Gruppenführer auch die Einsatzleitung übernehmen, sofern keine andere zuständige Führungskraft eingesetzt ist.

Der Gruppenführer ist eine Funktion und keine einheitliche Dienstgradbezeichnung. Eine Feuerwehrangehörige oder ein Feuerwehrangehöriger kann die Qualifikation zum Gruppenführer besitzen, ohne bei jedem Einsatz tatsächlich als Gruppenführer eingesetzt zu werden. Umgekehrt muss die Funktion im Einsatz durch eine entsprechend qualifizierte Person besetzt sein.

Die Ausbildung und die Aufgaben des Gruppenführers orientieren sich vor allem an der Feuerwehr-Dienstvorschrift 2 (FwDV 2), der Feuerwehr-Dienstvorschrift 3 (FwDV 3) und den landesrechtlichen sowie örtlichen Regelungen der jeweiligen Feuerwehr.

Welche Einheit führt ein Gruppenführer?

Die Gruppe ist nach FwDV 3 die taktische Grundeinheit der Feuerwehr. In der Regel besteht sie aus neun Einsatzkräften: dem Gruppenführer, Maschinisten, Melder sowie Angriffstrupp, Wassertrupp und Schlauchtrupp.

Taktische EinheitRegelstärkeFührung im Einsatz
Gruppe1/8/9Gruppenführer führt die vollständige Einheit mit drei Trupps.
Staffel1/5/6Der Staffelführer führt eine kleinere Einheit. Die Aufgabe kann abhängig von Organisation und Qualifikation durch einen Gruppenführer wahrgenommen werden.
Selbstständiger Trupp1/2/3Der Truppführer führt einen Trupp mit eigenem Auftrag; ein Gruppenführer kann auch einen selbstständigen Trupp führen.

Die tatsächliche Mannschaftsstärke weicht in der Praxis insbesondere bei Freiwilligen Feuerwehren regelmäßig von der Sollstärke ab. Für den Gruppenführer ist daher nicht allein die Zahl der anwesenden Kräfte entscheidend. Ebenso wichtig sind Qualifikationen, Einsatzfähigkeit, Fahrzeugbeladung, Lageentwicklung und die verfügbaren Nachrückkräfte.

Eine unterbesetzte Einheit ist nicht automatisch handlungsunfähig. Sie kann jedoch nicht alle Aufgaben einer vollständigen Gruppe gleichzeitig übernehmen. Der Gruppenführer muss deshalb Prioritäten setzen, frühzeitig Unterstützung anfordern und die Einsatzmaßnahmen an den tatsächlichen taktischen Einsatzwert der Einheit anpassen.

Welche Aufgaben hat ein Gruppenführer?

Die Aufgaben beginnen nicht erst an der Einsatzstelle. Der Gruppenführer verantwortet die taktische Führung seiner Einheit während der Alarmierung, Anfahrt, Einsatzdurchführung und Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft.

Vor und während der Anfahrt

Bereits auf der Anfahrt verschafft sich der Gruppenführer einen Überblick über die verfügbaren Informationen. Dazu gehören das Einsatzstichwort, die Einsatzadresse, bekannte Objektinformationen, die Mannschaftsstärke sowie besondere Gefahrenhinweise.

Typische Aufgaben sind:

  • die Mannschaft und vorhandene Qualifikationen erfassen,
  • die Einsatzbereitschaft der Einheit beurteilen,
  • Einsatzinformationen auswerten,
  • die Gruppe auf mögliche Aufgaben vorbereiten,
  • die Kommunikation mit Leitstelle oder Einsatzleitung sicherstellen,
  • eine sichere und taktisch geeignete Fahrzeugaufstellung vorbereiten.

Bei komplexeren Lagen kann der Gruppenführer bereits während der Anfahrt Nachforderungen oder besondere Einsatzmittel anregen. Die abschließende Entscheidung über Alarmierungen und übergeordnete Maßnahmen liegt jedoch bei der zuständigen Einsatzleitung.

An der Einsatzstelle

Nach dem Eintreffen steht zunächst die Erkundung im Mittelpunkt. Der Gruppenführer muss die Lage so weit erfassen, dass ein sicherer und nachvollziehbarer erster Entschluss möglich ist. Dabei sind insbesondere Menschen in Gefahr, erkannte oder vermutete Gefahren, die Ausbreitungsgefahr, Zugangswege, Löschwasserversorgung und die eigene Einsatzfähigkeit zu berücksichtigen.

Auf dieser Grundlage legt der Gruppenführer Prioritäten fest. Bei vielen Einsätzen stehen Menschenrettung, Eigensicherung und die Begrenzung einer akuten Gefahr im Vordergrund. Anschließend werden Maßnahmen geplant und der Einheit klare Aufträge erteilt.

Ein Gruppenführerbefehl sollte für die eingesetzten Kräfte verständlich und überprüfbar sein. Bewährt hat sich eine Struktur aus:

  1. Einheit: Wer führt den Auftrag aus?
  2. Auftrag: Was soll erreicht werden?
  3. Mittel: Welche Geräte oder Ressourcen sind vorgesehen?
  4. Ziel: Wo oder mit welchem Ergebnis soll die Maßnahme erfolgen?
  5. Weg: Welcher Zugang oder Angriffsweg ist zu nutzen?

Der Gruppenführer kontrolliert die Durchführung, bewertet Rückmeldungen und passt den Einsatz bei Lageänderungen an. Führung ist deshalb kein einmaliger Befehl, sondern ein fortlaufender Vorgang aus Erkundung, Entscheidung, Auftragserteilung, Kontrolle und erneuter Lagebeurteilung.

Nach dem Einsatz

Auch nach der unmittelbaren Gefahrenabwehr bestehen Führungsaufgaben. Dazu gehören abhängig von der örtlichen Organisation:

  • die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft,
  • die Veranlassung von Reinigung, Prüfung oder Austausch eingesetzter Geräte,
  • die Weitergabe relevanter Informationen für die Einsatzdokumentation,
  • die Nachbesprechung besonderer Ereignisse,
  • die Meldung erkannter Mängel oder Ausbildungsbedarfe.

Eine strukturierte Einsatznachbereitung hilft, Erfahrungen für künftige Einsätze und Übungen nutzbar zu machen.

Wie unterscheiden sich Gruppenführer, Zugführer und Einsatzleiter?

Die Begriffe beschreiben unterschiedliche Aufgabenebenen. Sie dürfen nicht mit Dienstgraden oder organisatorischen Funktionen wie Wehrführer gleichgesetzt werden.

FunktionWesentliche Aufgabe
GruppenführerFührt eine Gruppe, Staffel oder einen selbstständigen Trupp und setzt konkrete taktische Aufträge um.
ZugführerFührt mehrere taktische Einheiten und koordiniert deren Zusammenarbeit innerhalb eines Einsatzabschnitts oder Zuges.
EinsatzleiterTrägt die Gesamtverantwortung für die Führung der Einsatzstelle und stimmt Maßnahmen, Kräfte und Organisation ab.
WehrführerLeitet die Feuerwehr oder eine Organisationseinheit im Dienstbetrieb; die Funktion ist nicht automatisch mit der Einsatzleitung gleichzusetzen.

Ein Gruppenführer kann bei einem kleineren Einsatz zugleich Einsatzleiter sein. Dies ist beispielsweise möglich, wenn eine Einheit bis zur Gruppenstärke eingesetzt wird und keine übergeordnete Führungskraft erforderlich oder verfügbar ist. Bei größeren oder unübersichtlichen Schadenslagen übernimmt in der Regel eine dafür zuständige Führungskraft die Einsatzleitung.

Die Übergabe der Einsatzleitung muss eindeutig erfolgen. Entscheidend sind dabei die örtliche Führungsorganisation, Zuständigkeiten nach Landesrecht und die tatsächliche Lage an der Einsatzstelle.

Welche Ausbildung benötigt ein Gruppenführer?

Die Ausbildung zum Gruppenführer baut auf der Truppausbildung auf. Voraussetzung für die Teilnahme am Gruppenführer-Lehrgang ist grundsätzlich die erfolgreich abgeschlossene Truppführer-Ausbildung.

Nach FwDV 2 umfasst der Gruppenführer-Lehrgang mindestens 70 Unterrichtsstunden. Die konkrete Durchführung, Zulassung, Lehrgangsform und ergänzende Voraussetzungen können zwischen den Bundesländern abweichen.

Zu den typischen Ausbildungsinhalten gehören:

  • Führungsgrundsätze und Menschenführung,
  • Rechtsgrundlagen für Führungskräfte,
  • Einsatzleitung und Führungsorganisation,
  • Einsatzlehre bei Brand- und Hilfeleistungseinsätzen,
  • Gefahren an Einsatzstellen,
  • Baukunde und vorbeugender Brandschutz,
  • Grundlagen des ABC-Einsatzes,
  • Ausbilden und Durchführen von Standortausbildung,
  • Planübungen, Einsatzübungen und Leistungsnachweise.

Die Qualifikation allein ersetzt keine Einsatzerfahrung. Gruppenführer müssen ihre Kenntnisse regelmäßig durch Fortbildungen, Standortausbildung, Einsatzübungen und Nachbesprechungen aktualisieren. Die FwDV 2 sieht für Führungskräfte ab Gruppenführerebene zusätzlich eine nachweisbare Fortbildung innerhalb von höchstens sechs Jahren vor. Weitergehende Vorgaben der Länder, Kommunen oder Feuerwehrträger bleiben davon unberührt.

Welche Verantwortung trägt der Gruppenführer für die Sicherheit?

Der Gruppenführer ist für die sichere Durchführung der ihm übertragenen Einsatzaufgaben verantwortlich. Dazu gehört, Gefahren zu erkennen, geeignete Schutzmaßnahmen anzuordnen und die Grenzen der eigenen Einheit realistisch einzuschätzen.

Besondere Bedeutung haben:

  • eine sichere Fahrzeugaufstellung,
  • ausreichende Rückzugs- und Rettungswege,
  • eine dem Auftrag angemessene persönliche Schutzausrüstung,
  • die Überwachung eingesetzter Trupps,
  • die rechtzeitige Nachforderung weiterer Kräfte,
  • die Berücksichtigung von Belastungsgrenzen und Einsatzdauer,
  • klare Kommunikation bei Lageänderungen oder Abbruchentscheidungen.

Sicherheit ist dabei keine isolierte Aufgabe. Sie muss in jede taktische Entscheidung einbezogen werden. Ein Auftrag darf nicht allein deshalb fortgeführt werden, weil er bereits begonnen wurde. Verändert sich die Gefahrenlage, muss der Gruppenführer den Auftrag anpassen, unterbrechen oder abbrechen.

Welche Bedeutung haben Alarmierung und digitale Einsatzinformationen?

Für die Führungsfähigkeit einer Feuerwehr ist es wichtig, dass qualifizierte Führungskräfte gezielt alarmiert werden können. In der Alarm- und Ausrückeordnung sollte deshalb festgelegt sein, für welche Fahrzeuge, Einsatzstichworte oder Einsatzabschnitte ein Gruppenführer vorgesehen ist.

Eine Zusatzalarmierung mit Einsatzrückmeldung kann die Personalplanung ergänzen. Rückmeldungen zur Verfügbarkeit können helfen, frühzeitig zu erkennen, ob eine taktisch ausreichende Mannschaft mit den erforderlichen Qualifikationen verfügbar ist. Sie ersetzen jedoch weder die Prüfung der tatsächlichen Einsatzfähigkeit noch die Führungsentscheidung an der Einsatzstelle.

Nach dem Eintreffen können digitale Informationen die Erkundung und Lagebeurteilung unterstützen. Eine digitale Einsatzunterstützung für Führungskräfte kann beispielsweise Objektinformationen, Karten, Hydranten, Einsatzpläne oder Hinweise zur Anfahrt bereitstellen. Die Bewertung der Informationen und die taktische Verantwortung verbleiben stets beim Gruppenführer beziehungsweise bei der Einsatzleitung.

Häufige Fragen

Ist ein Gruppenführer immer Einsatzleiter?

Nein. Ein Gruppenführer führt zunächst seine taktische Einheit. Bei Einsätzen bis zur Gruppenstärke kann er jedoch auch die Einsatzleitung übernehmen, wenn keine andere zuständige Führungskraft eingesetzt ist. Bei größeren Schadenslagen wird die Einsatzleitung in der Regel an eine übergeordnete oder besonders benannte Führungskraft übergeben.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Gruppenführer?

Der Gruppenführer-Lehrgang umfasst nach FwDV 2 mindestens 70 Unterrichtsstunden. Hinzu kommen die vorausgehende Truppführer-Ausbildung sowie gegebenenfalls landesspezifische Voraussetzungen. Die tatsächliche Lehrgangsdauer und Organisationsform können je nach Bundesland variieren.

Darf ein Gruppenführer eine unterbesetzte Einheit führen?

Ja, sofern die Einheit für die vorgesehenen Maßnahmen ausreichend leistungsfähig ist. Der Gruppenführer muss die eingeschränkte Mannschaftsstärke bei der taktischen Planung berücksichtigen, Aufgaben priorisieren und bei Bedarf frühzeitig weitere Kräfte nachfordern. Eine unterbesetzte Einheit darf nicht so eingesetzt werden, als wäre sie eine vollständige Gruppe.

Was ist der Unterschied zwischen Gruppenführer und Wehrführer?

Der Gruppenführer ist eine taktische Führungsfunktion für den Einsatz. Der Wehrführer hat dagegen vor allem organisatorische, personelle und verwaltungstechnische Aufgaben innerhalb der Feuerwehr. Beide Funktionen können durch dieselbe Person wahrgenommen werden, müssen es aber nicht.

Kann digitale Technik die Führungsfunktion ersetzen?

Nein. Digitale Systeme können Alarmierungen, Rückmeldungen, Karten, Einsatzpläne und Lageinformationen bereitstellen. Die Beurteilung der Lage, die Entscheidung über Maßnahmen und die Verantwortung für die eingesetzten Kräfte bleiben Aufgaben der Führungskraft.